Mai
27

Philologenverband kritisiert Untätigkeit einzelner Bundesländer

Seit dem Alarmruf des Deutschen Philologenverbandes vor einem Jahr, mit dem auf das expandierende Phänomen des Internet-Mobbings gegen Lehrkräfte erstmalig öffentlich hingewiesen wurde, hat sich nach DPhV-Beobachtungen die Tendenz zur Diffamierung und Bloßstellung von Lehrern auf Internet-Plattformen, Videobörsen und in Chatforen weiter verstärkt.

Der DPhV-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger schätzt, dass inzwischen an fast jeder weiterführenden Schule solche Vorfälle vorkommen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund 60.000 Lehrerinnen und Lehrer mindestens schon einmal Opfer solcher Attacken waren. Die Fälle, die von den Rechtsschutzreferaten des Verbandes betreut wurden, seien deutlich gestiegen.

„Offensichtlich stehen wir erst am Beginn einer Entwicklung wie in England und den USA, wo inzwischen ein Viertel der Lehrerschaft von solchen Vorfällen betroffen ist. Leider ist es bislang nicht gelungen, durch verstärkte Information und Aufklärung von Schülern und Eltern eine wirksame Prävention zu betreiben. Nach wie vor ist einem Teil der Schülerschaft nicht klar, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist“, sagte der DPhV-Vorsitzende.

Meidinger betonte aber auch, dass diese Vorfälle nur von einer verschwindenden Minderheit von Schülern ausgingen. Heftige Kritik übte der Verbandsvorsitzende an der Mehrzahl der Länderregierungen, die ihrer Fürsorgepflicht für Lehrer kaum nachkämen. Positive Ausnahmen seien Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die ein Netz von Ansprechpartnern und Unterstützungsleistungen installiert hätten.

Meidinger wiederholte seine Forderung, das deutsche Telemediengesetz nachzubessern. Es genüge nicht europäischen Standards. Nach wie vor stelle das deutsche Medienrecht die Internetplattform-Betreiber von einer Mithaftung frei und leiste damit dem Rechtsmissbrauch Vorschub.

Quelle: http://www.dphv.de

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