Sorgloser Umgang mit persönlichen Informationen
Stuttgart, 28. November 2008 – Jugendliche verbringen nach eigener Schätzung
fast die Hälfte ihrer Nutzungszeit im Internet mit „Kommunikation“, der Rest
verteilt sich fast gleichmäßig auf die Bereiche „Information“, „Spiele“ oder auf
„Unterhaltungsangebote“ wie Musik, Videos oder Filme. Besonders intensiv
werden Online-Communities wie „schülerVZ“ genutzt, dort und auch sonst im
Internet hinterlassen die Jugendlichen in großem Umfang persönliche Spuren.
Das sind Ergebnisse der JIM-Studie 2008, die heute in der Mannheimer Pop-
akademie vorgestellt wurde.
Fast drei Viertel der 12- bis 19-Jährigen Internet-Nutzer haben inzwischen Er-
fahrungen mit Online-Communities gemacht, 41 Prozent besuchen diese Platt-
formen täglich, weitere 16 Prozent mehrmals pro Woche. Von den täglichen
Nutzern schaut sich die Hälfte sogar mehrmals am Tag in der Community um.
45 Prozent der Jugendlichen waren schon einmal bei „schülerVZ“, mit Abstand
folgen Angebote wie „studiVZ“ (12 %), „MySpace“ (10 %) oder „ICQ“ (7 %).
Ob auf Plattformen wie „schülerVZ“ oder auf der eigenen Homepage - Jugend-
liche gehen recht unbedarft mit persönlichen Angaben im Internet um. Drei
Viertel der Internetnutzer haben Informationen zu ihren Vorlieben oder Hob-
bies online gestellt. Weit verbreitet ist auch Bild- oder Fotomaterial, auf dem
die Befragten selbst zu sehen sind (60 %) oder Freunde bzw. Familienmitglie-
der (46 %). Auch die eigene E-Mail-Adresse ist bei mehr als 40 Prozent im In-
ternet einsehbar, knapp ein Drittel hat die Nummer ihres Instant Messengers
eingestellt. Mehr Zurückhaltung gibt es bei Handy- oder Festnetznummern, die
nur sieben Prozent im Internet angegeben haben. Mädchen präsentieren häu-
figer als Jungen Bilder von sich und Dritten im Netz, Jungen geben zu einem
größeren Anteil die E-Mail-Adresse oder die Nummer für Instant Messaging
preis.
Fragt man, wer Zugang zu diesen persönlichen Daten hat, so bestätigen 34
Prozent, dass diese ungeschützt für alle Internetnutzer einsehbar sind. 61 Pro-
zent geben an, dass nur „Freunde“ an diese Informationen gelangen können.
Allerdings stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der „Definition“
von Freunden. Zwar geben fast alle Jugendlichen an, dass es sich hierbei um
Freunde handelt, die sie „richtig“ und nicht aus dem Internet kennen würden,
allerdings ist zu vermuten, dass das „richtig kennen“ von den Jugendlichen
sehr weit gefasst wird. Im Rahmen einer Zusatzbefragung zur JIM-Studie 2008
hatten die Nutzer von Online-Communities im Schnitt etwas mehr als 70
„Freunde“, Mädchen sogar um die 90. Es dürfte sich also eher um Bekannte
oder Freunde von Freunden handeln und weniger um engere Beziehungen, wie
sie der Ausdruck „Freund“ eigentlich impliziert.
Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, (Multi-) Media) wird vom Medien-
pädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 jährlich durchführt. Die
repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der 12- bis 19- Jährigen in
Deutschland ab. Hierzu werden pro Jahr gut 1.200 Jugendliche befragt.
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der
Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) und der Landeszent-
rale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK). Die Durchführung der
Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR).
Quelle: http://www.mpfs.de


